„Ehrenfeld ist überall“ – Jan Böhmermann in der Stadthalle Offenbach

Glitter, Gold und Gesellschaftskritik brachten Jan Böhmermann und das Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld auf überaus kurzweilige Art und Weise gestern in die Stadthalle Offenbach.

Am 08.02.2019 um 20:30 Uhr war es soweit. Pünktlich eröffnete das ganz in gold und schwarz glitzernde Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld das vorletzte Konzert der „Ehrenfeld ist überall“-Tour in Offenbach, auf dessen Eröffnung das typische ZDF Neo-Publikum (Vollbarträger mit Hornbrille, Schnauzbart-Fans mit Wollmütze oder Studentinnen mit zum Dutt hochgesteckten Haaren) schon sehnsüchtig gewartet hat, um einen Teil vom „Neo Magazin Royale“ live zu erleben. Nach einer kurzen instrumentalen Einleitung betrat Jan Böhmermann die Bühne im (hoffentlich nicht echten) Pelzmantel die Bühne und begrüßte das Publikum zum Tour-Finale, da er nicht wisse, was ihn und das Orchester auf dem letzten Konzert in Saarbrücken noch erwarte, was gut nachvollziehbar ist bei all seinen Scherzen über das kleine Bundesland. Musikalisch waren in den darauf folgenden zwei Stunden dann auch die Hits zu hören, die man schon aus der Sendung kennt von „Baby Got Laugengebäck“ über „Menschen, Leben, Tanzen, Welt“ bis hin zu „Ich hab Polizei“ in der Zugabe.

Das Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld zeigte während des Konzerts seine Stärken klar bei ihren Neuinterpretationen von elektronischen Tanzliedern, sei es nun „Toxic“ von Britney Spears, dem Eurodance-Song „Hymn“ von Music Instructor, bei dem sie sich selbst vorgestellt haben, oder der wunderbaren Coverversion des Electro-Hits „You & Me (Flume Remix)“ (im Original von Disclosure), mit dem sie ein wahres Highlight des Abends abgeliefert haben.

Ebenso konnten sie brillieren, wenn sie zusammen mit Jan Böhmermann im Pop oder Chanson-Genre unterwegs waren. Dabei holte der Entertainer auch Kollegen aus seiner Sendung auf die Bühne wie den Beefträger mit den gesellschaftskritischen Lied „Wir sind die Versandsoldaten“ gegen die Arbeitsbedingungen in der Lieferbranche oder die selbst ernannte Pop-Ikone und Adele-Nachfolgerin Guila Becker mit ihrem feministischen Lied „Verdammte Schei*e“, das bei den Frauen im Publikum super ankam, aber manche der Männer anscheinend etwas irritiert hat. Politisch wurde es des weiteren gleich mehrfach, sei es nun beim Duett mit dem über Flachbildschirme zugeschaltetem Maik vom LKA mit einem Lied über den letztjährigen Skandal im Landeskriminalamt Sachsen, dem Satire-Lied über den rechtspopulistischen Geschwerkschaftsführer „Rainer Wendt“ oder dem Country-Duett „Grab US by the Pussy“, bei dem die USA-Flagge geschwenkt wurde.

Dass man allerdings nicht alles auf eine Live-Bühne bringen kann zeigte die Coverversion des aus 2017 stammenden und schlicht & einfach nicht mehr relevanten Liedes „Senorita“ von Kay One & Pietro Lombardi sowie der Theme-Song der Sendung „Es war einmal … Der Mensch“ bei dem die Untermalung der wunderbaren Zeichentrickbilder gefehlt hat.

Auch wenn sich durch den Konzert-Abend kein roter Faden zog und auf ein flottes, stimmungsvolles Lied eine Ballade im ganz anderen Stil folgt sowie politische & unpolitische Themen sich abwechselten, war der Abend überaus kurzweilig und die zwei Stunden vergingen leider schneller als man dachte und wäre schön gewesen noch weitere Lieder wie „Be Deutsch“ oder „Lass die Affen aus’m Zoo“ zu hören, insbesondere da letzteres perfekt zu Offenbach gepasst hätte.

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